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Träume sind für
Kinder besondere Ereignisse, aufregende Abenteuer, schreckliche
Erlebnisse, die überwältigende Gefühle in
ihnen hinterlassen. Für Eltern sind Träume eine
Chance, aufschlussreiche Botschaften aus der Seele ihres
Kindes zu bekommen, vorausgesetzt, sie nehmen sie ernst
sagt die Hamburger Familientherapeutin Dr. Angelika Faas.
Tun Eltern das denn nicht? Traumforscher aus den USA sagen
Nein, jedenfalls nicht wirklich. Ihre Studien
ergaben: die meisten Erwachsenen (90 %) wissen mit den bizarren
Nacht-Erlebnissen ihrer Sprösslinge nichts anzufangen.
Sie gehen deshalb über Träume hinweg, fragen kaum
nach, machen sich im Extremfall sogarlustig. |
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Es ist einfach ein Tabu in unserer westlichen Kultur,
Träume wirklich ernst zu nehmen. Die Mütter und
Väter von heute haben es nicht gelernt und deren Eltern
genauso wenig erklärt der amerikanische Psychologe
und Traumforscher Kelley Bulkeley. Wir werden erst hellhörig,
wenn Dämonen und Angstvisionen auftauchen und unseren
Kleinen das Leben schwer machen.
In anderen Kulturen ist das anders. Bei den Indianern oder
den Eskimos zum Beispiel haben die nächtlichen Bilder
eine besondere Bedeutung. Frühkindliche Träume
weisen zum Beispiel auf besondere Begabungen hin, glaubt
man dort. So sitzen schon Fünfjährige oft lange
mit ihren Eltern zusammen und erzählen oder spielen
ihre Träume nach. |
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Höchste Zeit, dass unsere Kinder das auch öfter
tun, meinen die Forscher. Und sie haben gute Gründe:
Träume teilen heißt, Gefühle miteinander
zu teilen, sagt Therapeut Bulkeley. Eltern können
so einen emotionalen Kontakt zu ihren Kindern aufbauen,
die Kleinen wiederum können Gefühle vermitteln,
für die ihnen im Alltag oft die Worte fehlen.
Wenn die Eltern sich haben scheiden lassen, zum Beispiel.
Dann träumen Kinder oft, dass Mama und Papa wieder
zusammenkommen. |
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Über Träume intensiv reden hilft Kindern, ihre
mitunter verwirrenden Gefühle selbst besser zu verstehen.
Der Traum gibt ihnen:
- Raum, ihre Ängste abzubauen und die Wünsche
auszuleben. Und indem sie erzählen, was im Traum
passiert ist, können sie laut sagen, was sie sonst
nicht auszusprechen wagen.
- Es stärkt ihr Vertrauen in sich und damit das
Selbstbewusstsein.
Träume sind die kreative Selbsthilfequelle unserer
Seele. Wenn Kinder Träume am Tag nachspielen, malen,
aufschreiben, nehmen sie diese kreative Kraft mit in den
Alltag. |
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Um diese besser zu verstehen, sollten wir der Funktion von
Träumen einmal auf den Grund gehen. Was passiert eigentlich
im Mensehen, wenn er in tiefen Schlaf abtaucht? Ob Kinder
oder Erwachsene, es passiert immer das Gleiche: Unser Geist
entspannt sich und die Kontrolle des bewussten, rationalen
Ich schwindet.
Ein anderer Teil übernimmt das Ruder, ein Teil den
Psychologen "Primärprozessdenken" nennen
- unsere nicht-rationale, anarchische Seite. Sie macht es
möglich, dass unsere Seele ungestört von Regeln
und Pflichten ihre jüngsten Erfahrungen erforscht.
Wenn wir uns tagsüber gewundert, gefreut, geärgert
oder gesorgt haben, dann spielt sie in der Nacht mit diesen
Eindrücken, betrachtet sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln,
sucht nach variierenden Verhaltensweisen zu einer Situation
oder nach Lösungen, wenn es ein Problem gibt. |
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"Jeder Traum, so verrückt, banal oder aber Angst
erregend er auch erscheinen mag, ist somit ein Produkt unserer
schöpferischen Fähigkeit, der Welt einen Sinn
zu geben", erklärt Therapeut Bulkeley. Kinderträume
- auch Alpträume! sind also ein Akt höchster Kreativität".
"Im Traum übt die kindliche Seele, was sie im
Leben umsetzen wird", so Kelley Bulkeley. "Oder
sie reagiert ab, was sie noch nicht umsetzen oder akzeptieren
kann." |
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Wenn Eltern die Bilder verstehen lernen, können
sie ihre Kinder gezielter unterstützen. Also los. "Ermuntern
Sie Ihre Kinder, wenn sie anfangen, von Träumen zu
erzählen. Hören Sie aufmerksam zu", rät
Psychologin Faas. "Wichtig ist dabei, die richtige
Balance zu finden: Träume nicht zu ignorieren, aber
auch nicht zu dramatisieren. Kinder zu fragen, aber nicht
andauernd. Träume sollten ganz selbstverständlich
zur Alltags-Kommunikation gehören." |
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Wenn Kinder dann erzählen, können wir uns
bei unseren Reaktionen darauf einfach von ihren Gefühlen
leiten lassen: "Versuchen Sie, sich möglichst
genau in das Bild eines Traumes hineinzuversetzten",
rät der Schweizer Heilpädagoge und Traumforscher
Rene Sommer. "Interpretieren Sie nicht vorschnell jeden
Traum versuchen Sie erst ein mal, ihn zu erfühlen.
Wenn Ihr Kind in einem Haus ohne Fenster war - wie fühlt
sich das an, dort zu sitzen? Ist es warm oder kalt? Ist
Ihr Kind allein in der Dunkelheit, und wenn nicht, wer ist
dabei?" |
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Das gilt vor allem dann, wenn Eltern sich Sorgen machen:
Einzelne Träume können sehr extrem sein, sie sind
jedoch immer nur eine Momentaufnahme. Und nicht selten entstammt
ein erschreckendes Traumdetail bei genauerem Hinsehen nur
der Gute-Nacht-Geschichte oder einem Fernsehfilm vom Vorabend.
Wenn wir Kinderträume deuten, sollten wir auf jeden
Fall ganz auf unsere Intuition vertrauen: "Sie kennen
Ihren Nachwuchs schließlich am besten" betont
Rene Sommer "Jedes Kind ist einzigartig, also sind
es auch seine Träume." |
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Die acht wichtigen Symbole in Kinderträume: (Von Traumforscher
Rene Sommer)
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Das
Haus und das Schloss:
Ein Haus gibt Geborgenheit und Schutz, dazu eine Identität.
Erforschen Sie das Traumhaus Ihres Kindes: Ist es klein
oder groß, baufällig oder neu? Jedes Detail ist
wichtig es sagt etwas darüber, wie ein Kind sich wahrnimmt.
Ein gemütliches Haus lässt auf ein gesundes Selbstwertgefühl
schließen, ein prächtiges Schloss (in einem positiven
Traum) ist nahe an der Selbstüberschätzung, in
einem Haus ohne Heizung mangels an Wärme, einer Bruchbude
fehlt der Halt. Häuser haben auch mit dem Konflikt
zwischen Geborgenheit bei den Eltern (Nestwärme) und
Eigenständigkeit (ein eigenes Haus!) zu tun. Will Ihr
Kind z.B. umziehen, steht ein Ablösungsprozess bevor.
Das Umfeld des Hauses verrät, wie Ihr Kind sich in
der Gesellschaft sieht: Wohnt es weit draußen oder
in einer Stadt, allein oder nicht ... ? |
Das Wasser:
Wasser kann belebend sein - oder gefährlich.
Es kann weit tragen - oder den Weg verbauen. Wasser steht
oft für den Konflikt zwischen Neugierde und Ängsten,
zwischen Vertrauen und Kontrolle:Wagt sich Ihr Kind ins
Wasser, schwimmt es fröhlich umher - ein gutes Zeichen,
es ist unternehmungslustig, ausgeglichen, vertrauensvoll.
Träumt es vom Ertrinken, von Überschwemmungen
oder ähnlichem, verarbeitet es Sorgen. Achten Sie dann
besonders auf Kleinigkeiten: Wer kommt noch vor, was passiert
vor der Katastrophe? Wasser hat zudem etwas sehr Verbindendes
wer mit Ihrem Kind schwimmen darf oder in der Wanne liegt,
ist ihm besonders wichtig.
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Der
Berg und Das Tal:
Auf einen Hügel steigen, kostet Anstrengung, doch oben
wird man mit einem prächtigen Ausblick belohnt. Und
der Abstieg ist ganz leicht! Bergtouren haben etwas mit
der Autonomie zu tun, die Ihr Kind sich erarbeiten muss:
Träumt es z.B. von einer schweren, aber bewältigten
Bergwanderung, hat es einen Entwicklungsschritt gemacht
oder eine Aufgabe gemeistert - oder es ist gerade dabei
und der Traum spielt die Chance auf Erfolg schon mal durch.
Kinder, die dauernd im Tal bleiben oder von Abstürzen
träumen, hadern dagegen mit ihrer Selbständigkeit.
Von wem fühlen sie sich abhängig, warum? |
Die Rettung:
Kinder haben im Wachzustand ein ausgeprägtes Mitgefühl
für alles und jeden. Um so bedeutender die Frage, wen
sie im Traum retten müssen und wen sie ziehen lassen
können. Denn Rettungsträume haben immer etwas
mit Trennungsarbeit zu tun. Muss Ihr Kind gerettet werden,
hat es Trennungsangst. Rettet es den längst geschiedenen
Vater, ist die innere Trennung von ihm noch nicht vollzogen.
Mitunter müssen Teile der eigenen Persönlichkeit,
verkörpert von Tieren oder Kindern, gerettet werden,
zum Beispiel ein besonders wütender Löwe - ein
Hinweis darauf, dass diese Seite im Alltag zu sehr unterdrückt
wird.
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Das
Wichtige Tier:
Das Lieblingstier steht für die Vitalität im Kind:
Ist es ein wilder Löwe oder ein imposanter Elefant,
ein elegantes Pferd oder ein wendiger Panter? Das Tier verkörpert
etwas, mit dem sich Ihr Kind identifiziert, das seinem derzeitigen
Temperament entspricht. Achten Sie darauf, ob Das Tier den
zurzeit gelebten Charakter Ihres Kindes darstellt - oder
ob eine verborgene Seite über das Traumtier ausgelebt
wird. Kinder müssen ihre verschiedenen Bedürfnisse
erst austarieren lernen ein Traumtier, das Eltern unpassend
vorkommt, kann auf seelisches Ungleichgewicht hinweisen.
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Die Mutter und das Kind:
Heranwachsende Kinder müssen sich von der Mutter lösen
- der Urquelle des Vertrauens und der Sicherheit Eine schwere
Aufgabe, die in Träumen durchgespielt wird. Grübeln
Sie nicht, warum Ihr Kind manchmal schlecht von Ihnen träumt,
das gehört zum Loslösungsprozess. Da Ihr Kind
davon erzählt, hat es Vertrauen. Überlegen Sie
eher, welche Rolle die Mutter im Traum hat. Ist sie strenge
Aufpasserin, herzliche Helferin, verständnislose Erwachsene?
Und: Achten Sie darauf, ob die geträumten Szenen dem
Alter des Kindes entsprechen. Streitet es mit zwölf
im Traum mit der Mutter, um allein einkaufen gehen zu können,
kündigt sich ein gesunder Schritt.
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Der
Vater und das Kind:
Väter sind in einer Familie meist die Berufstätigen,
für Kinder also der Kontakt zum unbekannten Leben von
morgen. Deshalb stehen sie im Traum oft für das Durchsetzungsvermögen:
Kämpft das Kind mit dem Vater, erprobt es seine Kräfte.
Baut es mit dem Vater ein Boot, eine Hütte, eine Brücke,
schöpft es Kraft aus der Beziehung. Weiß der
Traumvater immer alles besser, kann es sich nicht genug
ausprobieren - der Vater ist zu stark. Erscheint der Vater
bedrohlich, steht eine gesunde Abgrenzung bevor, die aber
noch Angst auslöst. Vater-Träume liefern auch
Hinweise auf die Fähigkeit, sich in die Gemeinschaft
einzugliedern: Ist der Vater z.B. ein Superheld, überschätzt
das Kind seine Kräfte und damit auch die eigenen. |
Die verkehrte Welt:
Kinder lassen sich von Hunden spazieren führen, müssen
auf die Mutter aufpassen, der Lehrer drückt die Schulbank.
Verkehrte Weiten können spontan und allein spielerisch
geträumt sein - aber auch viel mehr bedeuten. Es ist
das kritischste Symbol für Eltern, da sie sich fragen
müssen: Lebt mein Kind vielleicht tatsächlich
unausgesprochen - in einer verkehrten Weit? Liebt der Vater
die Mutter, oder liebt er eine andere, und das Kind spürt
es? In der verkehrten Welt des Traumes leben Kinder aus,
was sie im Alltag spüren, aber nicht verstehen. Daneben
fangen sie in komplexen Verkehrte-Welt-Träumen an,
größere Verständnisfragen an die Welt zu
stellen, ihren Intellekt zu schulen. Tipp: Nehmen Sie verschachtelte
Träume auseinander, lassen sich die Geschichten leichter
verstehen.
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QUELLE: Zeitschrift Familie&Co. Autorin Stephanie Friedhof
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